

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef
vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von
dem heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in
Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch
bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef,
du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn
was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn
gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von
ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr
durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): «Siehe, eine
Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den
Namen Immanuel geben», das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom
Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm
seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er
gab ihm den Namen Jesus. Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit
des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und
sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern
gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König
Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ
zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte
von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In
Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1):
«Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den
Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel
weiden soll.» Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau
von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und
sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet,
so sagt mir's wieder, daß auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König
gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland
gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein
war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und
fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es
an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und
Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie
zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land. Als sie aber hinweggezogen waren,
siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf,
nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib
dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es
umzubringen. Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei
Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes,
damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da
spricht (Hosea 11,1): «Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.» Als Herodes
nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte
aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die
zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau
erkundet hatte. Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia,
der da spricht (Jeremia 31,15): «In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel
Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten
lassen, denn es war aus mit ihnen.» Als aber Herodes gestorben war, siehe, da
erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten und sprach: Steh
auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel;
sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. Da stand
er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land
Israel. Als er aber hörte, daß Archelaus in Judäa König war anstatt seines
Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er
Befehl von Gott und zog ins galiläische Land und kam und wohnte in einer Stadt
mit Namen Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten:
Er soll Nazoräer heißen.
Lukas 2:1-40
Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus
ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und
diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius
Statthalter in Syrien war. Und
jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da
machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische
Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und
Geschlechte Davids war, damit
er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und
als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und
legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten
in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre
Herde. Und der Engel
des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten
sich sehr. Und der
Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große
Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn
euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt
Davids. Und das
habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer
Krippe liegen. Und
alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen
Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre
sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen
seines Wohlgefallens. Und als die Engel
von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun
gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der
Herr kundgetan hat. Und
sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe
liegen. Als sie es
aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde
gesagt war. Und
alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt
hatten. Maria aber
behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und
die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört
und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Und
als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden mußte, gab
man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib
empfangen war. Und als die Tage
ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn nach
Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, wie
geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2. Mose 13,2; 13,15): «Alles Männliche,
das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen», und
um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: «ein Paar
Turteltauben oder zwei junge Tauben» (3. Mose 12,6-8). Und siehe, ein
Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig
und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war
mit ihm. Und ihm
war ein Wort zuteil geworden von dem heiligen Geist, er solle den Tod nicht
sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und
er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus
in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da
nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr,
nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn
meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den
du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes
Israel. Und sein Vater und
seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Und
Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt
zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem
widersprochen wird -
und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit
vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine
Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war
hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet
hatte, und war nun
eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente
Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die
trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen,
die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Und als sie alles
vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach
Galiläa in ihre Stadt Nazareth. Das
Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.
Die Folge kommt bald...
