Apostasie im orthodoxen Islam: Todesstrafe!



Der orthodoxe Islam enthält eine besonders schockierende Vorschrift. Er verlangt, dass der Apostat, der den Islam verlassen hat, durch die Todesstrafe bestraft wid. Dieses Gesetzt basiert ausschliesslich auf der Sunna, der Koran hingegen enthält keinen Vers, der eindeutig auf eine Hinrichtung des Ex-Muslimes hinweist, dafür aber spuckt er ihm den gewöhnlichen Hass aus, und bedroht ihn einer ewigen Strafe in der Hölle. Die vier sunnitischen und die schiitische Rechtsschule sind sich in der Hinrichtung des Apostats einig. Diese Strafe entspricht einer konkreten Wahrheit in vielen muslimischen und nicht-muslimischen Ländern. Wenn der Austritt aus dem Islam nicht gesetzlich durch den Tod bestraft wird, ist das Risiko immer dabei, dass Fundamentalisten dieses Urteil selbst verwirklichen. Auch in Deutschland und in Frankreich ist die Gefahr real für alle, die aus dem Islam stammen, heute aber nicht mehr glauben, dass diese Religion die Wahrheit ist. Zum Glück lehnen heute viele Muslime diese Vorschrift. Das ist insbesondere der Fall für die sogenannten "nur-Koran Muslime".

Die Todesstrafe für Apostaten ist ein sehr gutes Mittel, um den orthodoxen Islam zu beschützen (sie ist aber weniger wirksam als die Pflicht zu glauben, um der Hölle zu entgehen, die dem Gläubigen seine intime Gedankenfreiheit entzieht). Erstens sorgt sie für eine noch weitere Dramatisierung der Apostasie, so dass der zweifelnde Gläubige alles tun wird, um wieder zu glauben. Wenn er aber seinen Glauben trotzdem verliert, gibt es grosse Chancen, dass er es für sich hält, und dass niemand Bescheid weiss. Wenn er von seiner Erfahrung hätte sprechen können, hätten sich andere Leute Fragen gestellt, und vielleicht hätten sie auch ihren Glauben verloren. Aber das findet nicht statt, wenn jeder, der nicht mehr glaubt, heuschlerisch weiter den orthodoxen Islam praktiziert. Die Todesstrafe für Apostaten macht Ex-Muslime mundtot, gibt fälscherweise den Eindruck, dass jeder glaubt, und dass, wenn man selbst skeptisch ist, wohl der einzige ist. Sie ist gleichzeitig eine Zensur von allem, was dem orthodoxen Islam widerspricht, und eine Manipulation der Gläubigen.


Als authentisch geltende Hadithe zu diesem Thema (Quelle):

Whoever changes his Islamic religion, kill him.  Sahih Al-Bukhari (9:57)

Es erzählte "Abdullah: Der Apostel Allahs sagte: "Das Blut eines Muslims welcher bezeugt, dass niemand das Recht hat jemand anderen als Allah anzubeten und, dass ich Sein Apostel bin kann nicht getötet werden, ausser in drei Fällen: Als Qisas für Mord. Eine verheiratete Person welche illegal Sex hat und einer welcher sich vom Islam abkehrt (Apostat) und die Muslime verlässt. (Bukhari V.9 B. 83, N. 17)

Ali verbrannte einige Leute und diese Nachricht erreichte Ibn Abas, welcher sagte: "Wenn ich an seiner stelle gewesen wäre, dann würde ich sie nicht verbrannt haben, denn wie der Prophet gesagt hatt: Bestrafe niemand mit der Strafe Allah´s. Es besteht kein Zweifel ich würde sie getötet haben; denn der Prophet sagte: wenn jemand (ein Muslim) seine Religion ablegt dann töte(t) ihn." Bukhari Volume 4 Number 260

I heard the Prophet saying, "In the last days (of the world) there will appear young people with foolish thoughts and ideas. They will give good talks, but they will go out of Islam as an arrow goes out of its game, their faith will not exceed their throats. So, wherever you find them, kill them, for there will be a reward for their killers on the Day of Resurrection." (Bukhari V.6, B.61, N.577)



Koranverse zur Apostasie, die die Hinrichtung nicht erwähnen, aber trotzem weit davon entfernt sind, der Liebe und der Toleranz zu widerspiegeln (Quelle):

Sie befragen dich über das Kämpfen im heiligen Monat. Sprich: "Das Kämpfen in ihm ist schwerwiegend. Doch das Abbringen vom Weg Allahs und nicht an Ihn zu glauben und (den Zutritt) zur heiligen Moschee (zu verwehren) und deren Bewohner daraus zu vertreiben, ist schwerwiegender vor Allah. Und die Verführung ist schwerwiegender als Töten." Und sie werden nicht ablassen, gegen euch zu kämpfen, bis sie euch von eurem Glauben abbringen, wenn sie dazu imstande sind. Wer sich aber von euch von seinem Glauben abbringen läßt und als Ungläubiger stirbt - das sind diejenigen, deren Taten wertlossein werden in dieser Welt und im Jenseits. Sie werden die Bewohner des Feuers sein, und darin werden sie ewig verweilen. Koran 2:217

Siehe, wer nach seinem Glauben ungläubig wird und immer mehr dem Unglauben verfällt - dessen Reue wird nicht angenommen, und dies sind die Irrenden. Koran 3:90

Wahrlich, diejenigen, die gläubig sind und hernach ungläubig werden, dann wieder glauben, dann abermals ungläubig werden und noch heftiger im Unglauben werden, denen wird Allah nimmermehr vergeben noch sie des Weges leiten. Koran 4:137

O ihr, die ihr glaubt, wer sich von euch von seinem Glauben abkehrt, wisset, Allah wird bald ein anderes Volk bringen, das Er liebt und das Ihn liebt, (das) demütig gegen die Gläubigen und hart gegen die Ungläubigen (ist); sie werden auf Allahs Weg kämpfen und werden den Vorwurf des Tadelnden nicht fürchten. Das ist Allahs Huld; Er gewährt sie, wem Er will; denn Allah ist Allumfassend, Allwissend. Koran 5:54

Wer Allah verleugnet, nachdem er geglaubt hat - den allein ausgenommen, der (dazu) gezwungen wird, während sein Herz im Glauben Frieden findet -, auf jenen aber, die ihre Brust dem Unglauben öffnen, lastet Allahs Zorn; und ihnen wird eine strenge Strafe zuteil sein. Koran 16:106


Bemerkung: ich höre manchmal, der Vers 4:137 wäre eine koranische Ablehnung der Todesstrafe für Ex-Muslime, weil jemand, der zum ersten mal seinen Glauben verloren hat, nach diesem Vers anscheinend noch einmal wieder Muslim werden kann. Wenn man ihn umbringen würde, hätte er nicht diese Chance. Man muss aber bedenken, dass die gesetzliche Todesstrafe im Falle vom Abfall aus dem Islam nicht zur Folge hat, dass alle Apostaten hingerichtet werden, sondern vielmehr, wie ein damals von mir besuchter Imam sagte, dass die meisten Apostaten ihren Austritt geheim halten und damit keine Werbung für den Unglauben machen. Dann passiert ihnen gerechtlich nichts, aber islamisch gesehen sind sie nach dem Tod verloren. Dennoch haben sie laut Vers 4:137 noch die Möglichkeit, einmal ihren Glauben wieder zu finden. Dieser Vers steht nicht im Widerspruch zum orthodoxen Islam.



Die Meinung der vier juristischen Rechtsschulen (zur Zeit nur auf englisch, Quelle)

According to the School of Malik, as written in his book Muwatta:

From Zayd ibn Aslam, Malik has reported that the Apostle of God declared: Whoever changes his religion should be executed. Malik said about this tradition: As far as we can understand this command of the prophet means that the person who leaves Islam to follow another way, but conceals his kufr and continues to manifest Islamic belief, as is the pattern of the Zindiqs and others like them, should be executed after his guilt has been established. He should not be asked to repent because the repentance of such persons cannot be trusted. But the person who has left Islam and publicly chooses to follow another way should be requested to repent. If he repents, good. Otherwise, he should be executed.

According to the Hanbali School as explained in the well authenticated book al-Mughni:

In the opinion of Imam Ahmad ibn Hanbal any adult and rational man or woman who renounces Islam and chooses kufr should be given a three day period to repent. The person who does not repent should be executed. This is also the opinion of Hasan Basri, Zuhri, Ibrahim Nakhi, Makhul, Hammad, Malik, Layth, Awzai, Shafi'i and Ishaq ibn Rahwiyah.

Imam Tahawi has provided an interpretation of the Hanafi School in his book Sharh Ma'ani al-Athar as follows:

The lawyers differ among themselves concerning whether or not the person who has apostatized from Islam should be requested to repent. One group says it is much better that the imam (leader) requests the apostate to repent. If he repents, he should be released. Otherwise he should be executed. Imam Abu Hanifah, Abu Yusuf and Muhammad Rahmatullah are among those who have expressed this opinion. A second group says there is no need to request repentance. For them the condition of the apostate resembles that of the harbi kafir ("the infidel at war"). The infidels at war whom our invitation has already reached need not be invited to Islam before initiating war against them. Nevertheless every effort should be made to fully inform all others who have not been previously invited to repent, before attacking them. Likewise every effort should be made to bring back to Islam the person who has apostatized for lack of information about Islam. But the person who understands Islam well and deliberately renounces Islam, should be executed without any invitation to repentance. This opinion is supported by a statement of Imam Abu Yusuf also who writes in his book al-Amla': I will execute an apostate and will not ask for repentance. If, however, he hastens to repent, I will leave him and commit his affair to God.

An extended explanation of the Hanafi school is found in the Hidayah and reads:

When any person forsakes Islam -- Refuge is in God -- then Islam should be presented to him. If he has any doubt, every effort should be made to clear it. For it is highly possible that he is afflicted by some doubt, which, if removed, will avert his evil prospect of death by the better prospect of re-embracing Islam. But according to the leading lawyers it is not necessary to offer him Islam because he has already received its invitation.

A representation of the Shafi'a school as found in the Hidayah is as follows:

It is recorded from Shafi'i that it is incumbent upon the imam to grant the apostate a three day respite. It is illegal for him to execute him before the respite expires, since the apostasy of a Muslim could be the result of some form of doubt. Thus there must be some time given him as an opportunity for consideration and reflection. We consider three days to be sufficient for this purpose.




Schluss

Die Todesstrafe für Apostasie muss unbedingt abgelehnt werden. Und auch die Kompromisse, die ich manchmal von Muslimen höre: "im Islam müsse nicht, sondern könne der Apostat getötet werden" oder "die Todesstrafe für Apostasie wird nur auf Ex-Muslime angewendet, die andere Muslime veranlassen, den Islam zu verlassen, die anderen werden in Ruhe gelassen". Das ist ein sehr mieser Trost. Es ist normal, dass ein Ex-Muslim besonders viel Wert darauf legt, seine ehemaligen Glaubensbrüder vor dem, was er heute für eine Täuschung hält, zu warnen. Das ist insbesondere der Fall, wenn der Apostat eine Religion wie das evangelikale Christentum angenommen hat: da glaubt er, seine ehemaligen Glaubensbrüder werden in die Hölle gehen, wenn nichts gemacht wird. Die Muslime, die mit der Todesstrafe eines solchen Apostates übereinstimmen, sollten dann der Todesstrafe von denen zustimmen, die aus dem Christentum zum Islam konvertiert sind, und nun die Christen zu überzeugen versuchen. Sonst sind sie nicht logisch.


Andere Artikel zum Thema:
Christliche Seite, die die Frage ausführlich behandelt
Artikel von Wikipedia darüber und Karte der Länder, die den Austritt aus dem Islam mit dem Tod bestrafen
Muslimischer Artikel mit der orthodoxen Version (etwa in der Mitte, vor dem Beginn des IV. Kapitels)
Artikel der Ahmadiyya-Gemeinde, der die andere Meinung vertritt





Zurück zur Seite "Islam"

Schreiben Sie mir eine Email